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Substrate herstellen

Einführung

Substrat wird in der Pilzzucht eingesetzt, um Pilze unter kontrollierten, künstlich geschaffenen Klimabedingungen zum Fruchten zu bringen. Ziel eines hochwertigen Pilzsubstrats ist es, eine möglichst kurze Durchwachsphase zu erreichen und gleichzeitig einen hohen Ertrag pro Sack zu erzielen. Dies gelingt durch die gezielte Mischung verschiedener Zuschlagsstoffe.

Die grösste Herausforderung besteht darin, den optimalen Wassergehalt sowie das richtige Mischungsverhältnis der Zutaten zu bestimmen. Eine bewährte Methode zur Kontrolle ist die sogenannte Handprobe.

Dabei wird dem Mischbehälter eine Handvoll Substrat entnommen und in der Faust fest zusammengedrückt:

  • Treten ein bis zwei Tropfen Wasser aus, ist die Feuchtigkeit optimal.

  • Erscheinen keine Tropfen, muss zusätzlich Wasser beigefügt werden.

  • Tritt deutlich mehr Wasser aus, sind zusätzliche Trockenbestandteile erforderlich.

Benötigte Materialien Flüssigmyzel

Grundlegende Informationen zum Substrat

Sämtliche Informationen auf dieser Seite basieren auf unseren eigenen Erfahrungen aus der Pilzproduktion. Durch umfangreiche Tests konnten wir für die jeweiligen Pilzsorten optimale Rezepturen entwickeln.

Wir beschreiben ausführlich unsere Grund- und Zuschlagsstoffe sowie deren Eigenschaften und Einsatzbereiche. Darüber hinaus weisen wir auf weitere mögliche Zuschlagsstoffe hin, mit denen wir bislang keine oder nur begrenzte Erfahrungen gesammelt haben.

Substrat herstellen

Die beste Möglichkeit, Substrat anzumischen, besteht in der Verwendung eines Schneckenmischers oder eines Beton-Zwangsmischers. Falls kein entsprechendes Gerät vorhanden ist, können kleinere Mengen Substrat auch von Hand angemischt werden.

Zunächst werden die Holzpellets mit Wasser besprüht, bis sie sich vollständig aufgelöst haben beziehungsweise die Sägespäne nicht mehr zusammenklumpen. Anschliessend werden die Zuschlagsstoffe zugegeben und das Substrat gründlich durchmischt.

Danach wird das Substrat in Mikrofiltersäcke abgefüllt – jedoch nur so hoch, dass die Filterstreifen frei liegen. Anschliessend werden die Beutel im oberen Bereich nach hinten gefaltet.

Die Substratbeutel werden anschliessend sterilisiert:

  • entweder mittels Heissdampf bei 97 °C für 15 Stunden

  • oder im Dampfkochtopf beziehungsweise Autoklaven für 3 Stunden bei 121 °C.

Flüssigmyzel testen

Substrat beimpfen

Die Mikrofiltersäcke werden nach dem Sterilisieren zum Auskühlen vor eine Reinluftbank (Laminar Flow) gestellt, bis die Kerntemperatur unter 25 °C liegt.

Die Säcke mit der Körnerbrut werden vor dem Transfer in die sterile Umgebung grosszügig mit einer 70 %igen Alkohollösung eingesprüht und anschliessend mit einem sterilisierten Skalpell oder Cutter geöffnet.

Nun werden die sterilen Substratsäcke geöffnet und etwa 5–10 % Körnerbrut hinzugegeben.

Nach dem Beimpfen werden die Substratsäcke wieder zugeschweisst.

Idealerweise wird die gesamte Körnerbrut auf einmal verwendet. Ein erneutes Verschweissen zur späteren Verwendung ist zwar möglich, wird jedoch nur bedingt empfohlen, da das Risiko von Kontaminationen deutlich steigt.

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Grundstoffe

Für sämtliche unserer Pilzsorten verwenden wir ein Substrat auf Basis von Buchenholz. Dieses beziehen wir in Form von Pellets, die nach dem Bewässern stark aufquellen und dadurch eine sägespanähnliche Struktur annehmen.

Versuche mit Fichten- und Eichenholz haben wir ebenfalls durchgeführt, konnten dabei jedoch keinen zusätzlichen Nutzen feststellen. Buchenholz-Sägespäne sind zudem vergleichsweise gut verfügbar, da sie als Nebenprodukt in der Dübelproduktion anfallen.

In der Fachliteratur wird häufig eine Mischung aus feinem Sägemehl und groben Sägespänen empfohlen. Unsere eigenen Versuche zeigten jedoch, dass sich weder das Wachstum beschleunigte noch ein anderer relevanter Vorteil erzielen liess.

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Zuschlagsstoffe

Wird ein Pilz ausschliesslich auf Holzspänen kultiviert, verläuft die Durchwachsphase des Substrats unverhältnismässig langsam. Zudem bleiben die Erträge in der Regel unter unseren Erwartungen.

Wir gehen davon aus, dass für ein zügiges Wachstum insbesondere der Rohfasergehalt der Zuschlagsstoffe entscheidend ist. Dieser ist naturgemäss bei Sojaschalen besonders hoch. Einziger Zuschlagsstoff mit vergleichbarem Rohfaseranteil sind Luzernepellets. Mit diesen konnten wir jedoch nicht dieselben Erträge erzielen wie mit Sojaschalen.

Nach unserer Erfahrung kann bei bestimmten Pilzarten auch ein erhöhter Fettanteil im Zuschlagsstoff zu höheren Erträgen führen – insbesondere beim Kräuterseitling.

Im Folgenden stellen wir die von uns verwendeten Zuschlagsstoffe näher vor.

Benötigtes Material Flüssigmyzel

Kleie

Kleie eignet sich gut als Zuschlagsstoff, da sie in Bio-Suisse-Qualität leicht verfügbar ist und bei den meisten Pilzarten zufriedenstellende Erträge ermöglicht. Besonders in Kombination mit Ölsaaten – in unserem Fall mit Sonnenblumenkernen – konnten wir beim Kräuterseitling sehr gute Ergebnisse erzielen.

Je nach Pilzsorte variiert der prozentuale Anteil im Substrat. Wir arbeiten mit Rezepturen, die zwischen 13 % und 26 % Kleie als Zuschlagsstoff enthalten.

Ein Versuch, den sogenannten „Mastermix“ (eine bekannte Substratrezeptur mit 50 % Holz und 50 % Sojaschalen) durch den Einsatz von Kleie als Zuschlagsstoff nachzubilden, führte nicht zu höheren Erträgen.

Erwähnenswert ist, dass beim Igelstachelbart der höchste Ertrag bei einem Anteil von 20 % Kleie erzielt wurde.

Im Folgenden finden Sie verschiedene Rezepturen, die wir in unserer Pilzproduktion verwenden.

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Sojaschale

Sojaschalen in Bio-Suisse-Qualität sind nicht immer leicht erhältlich. Als Zuschlagsstoff eignen sie sich jedoch hervorragend, und bei den meisten Pilzarten konnten wir damit die höchsten Erträge erzielen.

Wir gehen davon aus, dass insbesondere der Rohfaseranteil ausschlaggebend ist, da er dem Substrat eine lockere Struktur und damit eine bessere Durchlüftung verleiht.

In der Praxis arbeiten wir meist mit einem Anteil von 26 % am Substrat-Trockengewicht.

Auch mit dem sogenannten „Mastermix“ (siehe Abschnitt über Kleie) konnten wir gute Erträge erreichen.

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Sonnenblumenkerne

Sonnenblumenkerne eignen sich besonders gut als Zuschlagsstoff für Kräuterseitling, Austernseitling, Pioppino und Klapperschwamm.

Mit einer Mischung aus 5 % Sonnenblumenkernen, 10 % Kleie und 85 % Buchenholz-Sägespänen konnten wir beim Kräuter- und Austernseitling sehr gute Erträge erzielen.

Für den Igelstachelbart sind stark ölhaltige Zuschlagsstoffe nach unseren Versuchen hingegen nicht geeignet.

Sonnenblumenkerne sollten grundsätzlich sparsam eingesetzt werden: Bei einem Anteil von 10 % lagen die Erträge beim Kräuterseitling rund 20 % tiefer. 

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Sojakuchen

Sojakuchen sollten – ähnlich wie Sonnenblumenkerne – sparsam eingesetzt werden. Sie eignen sich vor allem für den Kräuterseitling.

Als alleiniger Zuschlagsstoff sind sie jedoch nicht zu empfehlen, da das Durchwachsen der Substratsäcke unserer Einschätzung nach aufgrund des geringen Rohfaseranteils deutlich mehr Zeit beansprucht. Diese Beobachtung trifft auf den Kräuterseitling nicht zu, da er von Natur aus eine längere Durchwachsphase benötigt.

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Weitere Zuschlagsstoffe

Hinweis: Mit den folgenden Zuschlagsstoffen haben wir bislang nur begrenzte oder keine praktischen Erfahrungen gesammelt.

Luzernepellets
Mit Luzernepellets konnten wir lediglich beim Pioppino zufriedenstellende Erträge erzielen.

Buchweizenschrot
In unseren Versuchen mit dem Kräuterseitling entwickelten sich ausschliesslich deformierte Fruchtkörper.

Kaffeesatz
Aus unserer Sicht eher ungeeignet, da Kaffeesatz bei unzureichender Trocknung häufig zu Schimmelbildung neigt.

Dinkelspelzen
Zur Verbesserung der Substratstruktur sehr gut geeignet. 

Stroh
Mit der Pilzzucht auf Stroh haben wir nur ungenügend Erfahrung

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Grundrezepturen

Passend für Austernseitling, Kräuterseitling, Pioppino, Buchenpilz und Shiitake:

  • 30% Buchen- Sägespäne, 11% Kleie oder Sojaschalen, 1% Kalk, 58% Wasser
  • 34% Buchen-Sägespäne, 5% Kleie, 2% Sonnenblumenkerne, 1% Kalk, 58% Wasser
  • 35% Buchen-Sägespäne, 5% Sojakuchen, 1% Kalk, 59% Wasser

Passend für Igelstachelbart und Klapperschwamm (Maitake):

  • 30% Buchen-Sägespäne, 11% Sojaschalen, 1% Kalkt, 58% Wasser
  • 33% Buchen-Sägespäne, 8% Kleie, 1% Kalk, 59% Wasser

 

Passend für Samtfussrübling:

  • 35% Buchen-Sägespäne, 5% Kleie, 1% Kalk, 59% Wasser
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