Umgang mit Petrischalen / Herstellen von Nährböden
Einführung
Das Herstellen von Nährböden ist der erste Schritt zur Vermehrung neuer Pilzarten. Sie werden benötigt, um Reinkulturen aus Sporenisolaten zu gewinnen, bestehende Reinkulturen weiterzuführen sowie Fruchtkörper zu klonen.
Beim Giessen von Nährböden ist besonderer Wert auf einen sauberen Arbeitsplatz und eine ausreichende Sterilisation des Nährmediums zu legen. Sorgfältiges Arbeiten ist entscheidend, um Kontaminationen zu vermeiden.
Es besteht die Möglichkeit, sterile Petrischalen aus Kunststoff zu verwenden oder wiederverwendbare Petrischalen aus Glas einzusetzen. Kunststoff-Petrischalen sind werkseitig steril verpackt und einsatzbereit. Vor dem Transfer in die Glove-Box oder unter die Reinluftbank muss lediglich die äussere Verpackung desinfiziert werden.
Petrischalen aus Glas werden idealerweise in Mikrofiltersäcken bei 121 °C für 30 Minuten sterilisiert.
Rezeptur
Es existieren zahlreiche Rezepturen zur Herstellung von Nährböden. Im Folgenden stellen wir die zwei am häufigsten verwendeten Varianten vor:
MA (Malt-Agar) eignet sich besonders für holzzersetzende Pilzarten (z. B. Austernseitling, Shiitake).
PDA (Potato-Dextrose-Agar) ist optimal für Streuzersetzer wie Champignon oder Tintling.
Die nachstehenden Rezepturen beziehen sich auf 0,5 l Nährmedium und reichen für etwa 20 Petrischalen mit einem Durchmesser von 90 mm.
- Malzagar
-12g Agar Agar
-12g Malzextrakt
-0.5 Liter Wasser - Potato-Dextrose-Agar
-12g Agar Agar
-2g Kartoffelstärke
-10g Dextrose
-0.5 Liter Wasser
Herstellen von Nährboden
Zum Sterilisieren und anschliessenden Giessen der Petrischalen empfehlen wir die Verwendung von Laborflaschen mit Ausgiessring (z. B. Duran, Simax oder vergleichbare Produkte). Alternativ können auch Erlenmeyerkolben, Langhalskolben oder andere geeignete Gefässe verwendet werden, sofern sie aus autoklavierbeständigem Material bestehen (121 °C bei 2 bar).
Zum Abwägen der Zutaten ist eine präzise Waage erforderlich, idealerweise mit einer Genauigkeit von 0,1 g.
Zunächst werden die trockenen Bestandteile in den Kolben gegeben, anschliessend wird das Wasser hinzugefügt. Wir empfehlen, zum Anmischen 50–60 °C warmes Wasser zu verwenden, damit sich die Inhaltsstoffe von Beginn an gut lösen.
Alternative Zubereitung von PDA
Falls keine Kartoffelstärke verfügbar ist, können 150 g Kartoffelwürfel in 500 ml Wasser gekocht werden. Sobald die Kartoffeln weich sind, werden die Würfel abgesiebt und die aufgefangene Brühe wieder auf 500 ml ergänzt. Anschliessend werden die verbleibenden Zutaten (ohne zusätzliche 0,5 l Wasser) hinzugefügt.
Petrischalen giessen
Beim Giessen der Petrischalen wird der Deckel mit dem sogenannten Zangengriff leicht angehoben. Anschliessend wird so viel Nährmedium eingefüllt, dass etwa ein Drittel der Höhe der Petrischale bedeckt ist.
Danach wird eine weitere leere Petrischale auf die bereits gegossene gestellt und der Vorgang wiederholt, bis ein Stapel von etwa 15 Petrischalen erreicht ist. Dieses Vorgehen begünstigt ein langsames Abkühlen und reduziert die Bildung von überschüssigem Kondenswasser, das beim Erstarren des Nährmediums entstehen kann.
Nach dem vollständigen Abkühlen werden die Petrischalen in einem Mikrofiltersack oder in Schlauchfolie eingeschweisst. Die Verpackung sollte vorab desinfiziert werden.
Die Lagerung erfolgt kopfüber, vorzugsweise im Kühlschrank. Die Haltbarkeit beträgt unter diesen Bedingungen etwa drei Monate.
Autoklavieren
Die gefüllte Flasche wird nach dem Anmischen mit Aluminiumfolie abgedeckt. Anschliessend wird die Nährlösung bei 121 °C (entspricht ca. 1,5 bar) für 30 Minuten autoklaviert.
Dabei ist darauf zu achten, dass die Temperatur nicht über längere Zeit 130 °C überschreitet. Andernfalls kann der enthaltene Zucker karamellisieren und steht dem Pilz nicht mehr vollständig als Nährstoff zur Verfügung.
Nach dem Autoklavieren wird der Kolben zum Abkühlen vor die laufende Reinluftbank gestellt. Sobald die Temperatur der Nährlösung etwa 60 °C erreicht hat, kann mit dem Giessen der Petrischalen begonnen werden.