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Flüssigmyzel herstellen

Einführung

Flüssigmyzel beschreibt ein Myzel, das in einem flüssigen Nährmedium gewachsen ist, und eignet sich hervorragend zum Beimpfen von Körnerbruten. Neben dem Hauptbestandteil Wasser werden dem Nährmedium etwa 2 % Nährstoffe für das Myzel beigefügt.

Unser Grundrezept, das sich für die meisten Pilzarten eignet, besteht aus:

  • 0.95% Malzextrakt
  • 0.95% Dextrose
  • 0.1% Soyapepton
  • 98% Wasser
Benötigte Materialien Flüssigmyzel

Kann auf Sojapepton verzichtet werden?

Soyapepton ist ein guter Booster für das Myzel, ist jedoch nur im Chemikalienfachhandel erhältlich und deutlich teurer als die anderen Bestandteile. Das Myzel wächst jedoch auch problemlos – wenn auch etwas langsamer – mit 1 % Malzextrakt und 1 % Dextrose, die in den meisten Drogerien erhältlich sind.

Soyapepton ist bei uns auch in Kleinmengen im Online-Shop erhältlich.

Pepton Flüssigmyzel

Benötigtes Material

Wenn Laborequipment vorhanden ist, kann für die Herstellung von Flüssigmyzel eine Laborglasflasche mit Filterkappe und Magnetrührer verwendet werden (z. B. Flaschen der Marke Kimax).

Alternativ funktioniert es auch mit einem Einmachglas mit eingelassenem Impfport, Spritzenfilter sowie einer Glasscherbe oder Glasmurmel. Für diese Methode mit Einmachgläsern sind auch fixfertige Deckel erhältlich.

Benötigtes Material Flüssigmyzel

Flüssigmyzel autoklavieren

Nachdem alle Zutaten für die Nährlösung im Behälter eingewogen wurden, wird das Ganze für 30 Minuten bei 121 °C autoklaviert.

Sehr wichtig ist dabei, dass der Gefässdeckel nur lose aufliegt, damit ein Druckausgleich zwischen der Kammer des Autoklaven und dem Inneren des Gefässes stattfinden kann. Andernfalls besteht die Gefahr, dass das Gefäss im Autoklaven explodiert.

Daher geben wir unserer Flasche oder dem Einmachglas einen „Aluhut“. Damit minimieren wir das Kontaminationsrisiko, wenn wir die Nährlösung nach dem Autoklavieren vor den Laminar Flow stellen.

Flüssigmyzel beimpfen

Vor dem Laminar Flow können wir unsere Nährlösung nach dem Abkühlen auf Raumtemperatur mit der gewünschten Pilzsorte beimpfen. Dazu kann beispielsweise bereits vorhandenes Flüssigmyzel verwendet werden. Alternativ können wir von einer Reinkultur auf einer Petrischale mit einem Skalpell einige Stückchen kolonisiertes Agar entnehmen und in die Nährlösung geben (siehe Anleitung „Petrischalen“).

Anschliessend wird das Gefäss zusätzlich mit Parafilm gut verschlossen und mit dem Datum sowie der Pilzart beschriftet.

Flüssigmyzel beimpfen

Durchwachsen des Flüssigmyzels

Nun kann der Pilz während 4–7 Tagen bei Raumtemperatur (20–24 °C) und unter langsamem Rühren (100–300 rpm) die Nährlösung kolonisieren.

Wenn wir mit Einmachglas und Murmel oder Glasscherbe arbeiten, wird die Lösung 2–3 Mal täglich durch vorsichtiges Hin- und Herschwenken durchmischt. Dabei muss darauf geachtet werden, dass die Flüssigkeit nicht an die Filtermembran gelangt. Diese könnte sonst als Eintrittspforte für Kontaminationen dienen.

Nachdem der Pilz gut in die Nährlösung eingewachsen ist, kann das Flüssigmyzel im Kühlschrank problemlos bis zu drei Monate verwendet werden. Eine Ausnahme bilden tropische Pilzarten wie der Rosenseitling, die bei Raumtemperatur gelagert werden müssen, da sie bei Kühlschranktemperaturen absterben.

Flüssigmyzel inkubation

Testen des Flüssigmyzels

Wenn mit dem Flüssigmyzel grössere Mengen Körnerbrut beimpft werden sollen, empfehlen wir, die Reinheit vorher zu testen. Dies geschieht, indem dem Flüssigmyzel vor einem Laminar Flow mit einem sogenannten Testswap etwas Flüssigkeit entnommen und auf eine Petrischale gegeben wird.

Die Petrischale sollte anschliessend unbedingt mit Parafilm verschlossen und an einem warmen Ort zum Durchwachsen gestellt werden.

Flüssigmyzel testen